Erbliches Nichtpolypöses Kolonkarzinom
[MSI Test]
In Deutschland erkranken jährlich etwa 60.000 Menschen an Dickdarm- und Mastdarmkrebs (kolorektales Karzinom). Das kolorektale Karzinom ist damit nach Prostatakrebs (Männer) und Brustkrebs (Frauen) die zweithäufigste Tumorform und macht etwa ein Fünftel aller Krebserkrankungen aus. Männer erkranken im Mittel mit 68, Frauen mit 73 Jahren, das kolorektale Karzinom ist also eine Erkrankung des fortgeschrittenen Alters.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren für Darmkrebs gehören: häufiger Konsum von rotem Fleisch (ausgenommen Geflügelfleisch) und tierischen Fetten, eine an Ballaststoffen arme Kost, eine hohe Gesamtkalorienaufnahme, Übergewicht und Bewegungsarmut. Daneben gibt es auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (z.B. Colitis ulcerosa), die das Krebsrisiko erhöhen.
Nur ein kleiner Teil (etwa 5%) aller Darmkrebserkrankungen sind erblich bedingt. Dann allerdings tritt der Krebs schon in jüngeren Lebensjahren auf und er kann trotz erfolgreicher Therapie später an anderer Stelle wiederkehren. Darmkrebs ist heute heilbar, wenn er rechtzeitig entdeckt wird. Deswegen sollten sich Personen, die ein erbliches Risiko tragen, regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung unterziehen, über die ein Facharzt für Onkologie (Krebserkrankungen) kompetent Auskunft geben kann.
Es gibt verschiedene Formen der erblichen Veranlagung zum Darmkrebs; die beiden häufigsten sind FAP und HNPCC
Die FAP (Familiäre adenomatöse Polyposis) fällt durch sehr zahlreiche Polypen in der Darmwand auf, die sich dann häufig zu einem Krebs weiter entwickeln. Eine FAP ist für Spezialisten im Zusammenhang mit der Krebsdiagnostik und -Operation gut zu erkennen und sie werden den Patienten über die Erblichkeit der Krebserkrankung und die daraus zu ziehenden Konsequenzen (weitere Vorsorge beim Patienten und seinen Familienmitgliedern) umfassend informieren.
Wesentlich schwieriger zu diagnostizieren ist das HNPCC (hereditäres nichtpolypöses kolorektales Karzinom, Lynch Syndrom), da es keine augenfälligen Merkmale wie sehr zahlreiche Polypen aufweist. Das HNPCC ist – trotz seines Namens – nicht auf den Darm begrenzt, sondern kann sich auch als Krebs von Endometrium = Gebärmutterinnenwand, seltener auch von Eierstock, Magen, Dünndarm, Harnleiter/Nierenbecken, hepatobiliärem System, Hirn, Haut äußern.
Der Verdacht auf das Vorliegen einer HNPCC besteht, wenn mehrere Merkmale vorliegen, so z.B. Darmkrebs in frühem Lebensalter, Darmkrebs bei anderen nahen Verwandten oder/und bestimmte Merkmale der Krebsgeschwulst selbst. In solchen Fällen kann der Arzt zur weiteren Abklärung des Verdachts eine sogenannte Mikrosatellitenuntersuchung vornehmen lassen.
Die Mikrosatellitenuntersuchung ist eine genetische Untersuchung am Krebsgewebe. Die erbliche Veranlagung führt nämlich unter anderen dazu, dass im Krebsgewebe bestimmte Teile des Erbgutes, die sogenannten Mikrosatelliten, verändert sind. Hat ein Facharzt daher den Verdacht für das Vorliegen einer HNPCC, so kann er diesen durch eine Untersuchung der Mikrosatelliten im Tumorgewebe prüfen. Liegt eine Veränderung der Mikrosatelliten vor, so gilt der Verdacht als bestätigt. Der Facharzt wird seinen Patienten in jedem Fall über das weitere Vorgehen kompetent beraten.
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