Kontrolle des Therapieerfolges bei CML
[quantitative BCR-ABL PCR]
Während der Entstehung von Tumoren und Leukämieen verändert sich das Erbgut der betroffenen Zellen, wobei wichtige Kontrollfunktionen verloren gehen und die Zellen ihre Fähigkeit einbüßen, sich in ihr angestammtes Gewebe zu integrieren. Im Fall der chronischen myelosischen Leukämie (CML) tritt dabei eine ganz bestimmte genetische Veränderung auf, das sogenannte Philadelphiachromosom, das man nutzen kann, um erkrankte Zellen zu erkennen.
Zur Beachtung: Für die seltene sog. Philadelphia-negative CML gelten die auf dieser Seite gemachten Ausführungen nicht.
Die Therapie der CML hat das Ziel, den Anteil der erkrankten Zellen an den Blutzellen (=Tumorlast) so weit wie möglich zu reduzieren. Die Frage, inwieweit die Therapie ihr Ziel erreicht, kann man durch Blutbilduntersuchungen, zytogenetische Untersuchungen und die moderne quantitative PCR beantworten.
Eine Normalisierung des Blutbildes zeigt, dass die Therapie bis zu einem gewissen Grad wirkt. Allerdings kann selbst bei völlig normalisiertem Blutbild (man spricht dann oft von hämatologischer Vollremission) immer noch ein großer Teil der weißen Blutzellen leukämisch sein. Wesentlich differenziertere Aussagen zum Therapieerfolg als das Blutbild ermöglicht die zytogenetische Untersuchung; dabei wird eine Knochenmarksprobe unter dem Mikroskop ausgewertet. Die zytogenetische Methode ermöglicht unter anderem ein Messen der Tumorlast; dazu zählt man die Zellen mit und ohne Philadelphiachromosom und setzt diese Zahlen zueinander ins Verhältnis. Wird unter hundert Zellen keine Philadelphiachromosom positive Zelle mehr gefunden, so spricht man von zytogenetischer Vollremission.
Bei Patienten in zytogenetischer Vollremission weiß man, dass die Tumorlast mindestens um den Faktor hundert reduziert wurde. Moderne Therapieformen streben jedoch eine deutlich stärkere Reduktion der Tumorlast an. Mit der zytogenetischen Methode jedoch kann man eine weitere Reduktion unterhalb des Faktors hundert nicht mehr nachweisen, weil diese Technik nicht empfindlich genug ist. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte die Methode der quantitativen PCR eingesetzt werden, die eine verbliebene Tumorlast selbst dann noch messen kann, wenn sie durch die Therapie um den Faktor eine Million reduziert wurde.
Grundlage der quantitativen PCR: auf dem Philadelphiachromosom liegt ein Krebsgen, das BCR-ABL Gen, das nur in leukämischen, nicht aber in gesunden Zellen zu finden ist. Mit Hilfe der quantitativen PCR misst man die Menge des BCR-ABL Gens im Blut und bekommt dadurch eine zuverlässige Aussage über die Tumorlast. Die quantitative PCR hat darüber hinaus den Vorteil, mit einer einfachen Blutprobe auszukommen, während man für die zytogenetische Untersuchung Knochenmark benötigt. Damit eignet sie die quantitative PCR besonders gut für engmaschige Kontrollen (Zeitabstände von 3 bis 6 Monaten). Sie kann aber die Knochenmarksuntersuchung leider nicht vollständig ersetzen, weil es neben dem Philadelphiachromosom und dem BCR-ABL Gen noch andere Veränderungen in erkrankten Zellen geben kann, deren Kenntnis für den Arzt wichtig ist. Solche zusätzlichen Veränderungen werden oft erst mit dem Fortschreiten der Erkrankung sichtbar und können mit der quantitativen PCR nicht erfasst werden. Zur ersten Abklärung der Frage, ob überhaupt eine CML vorliegt, ist die Knochenmarksuntersuchung ebenfalls notwendig.
Die regelmäßige Kontrolle – quantitative PCR in kürzeren, Knochenmarksuntersuchung in längeren Zeitabständen - ermöglicht dem Arzt ein rechtzeitiges Reagieren auf einen unbefriedigenden Therapieerfolg oder ein Wiederkehren der Erkrankung. Die dann zu ergreifenden Maßnahmen hängen vom Alter, der Konstitution des Patienten und dem bisherigen Krankheits- und Therapieverlauf ab.
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